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Lynen von A-Z...

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Gedanken, Presse & Updates

Ein berührendes Experiment

10.02.2019

Die Entstehung von Vertrauen und Nähe zählt zu den größten Rätseln der Menschheit. Wann vertrauen wir einem anderen Menschen – und wann tun wir das nicht? Was braucht es, dass sich Menschen ineinander verlieben? Der US-Psychologe Arthur Aron fand vor mehr als zwanzig Jahren heraus, dass durch den Austausch von sehr persönlichen Informationen, echtes Interesse am anderen und Augenkontakt in relativ kurzer Zeit sehr viel Nähe hergestellt werden kann.

 

Um seine Hypothese zu prüfen, teilte er seine Probanden in Zweiergruppen ein, die sich in anderthalb Stunden gegenseitig 36 Fragen stellen und beantworten sollten. Der Test fing mit harmlosen Fragen an wie: Wenn du unter allen Menschen auf der Welt eine Person aussuchen könntest, wen würdest du zum Abendessen einladen? Oder: Hast du eine geheime Ahnung, woran du sterben wirst? Oder: Gibt es etwas, das zu ernst ist, als dass man darüber Witze machen sollte, und wenn ja, was?

 

Als es jedoch galt, drei Dinge aufzuzählen, die beide Testpersonen mit- einander gemeinsam hatten, kamen sich die beiden schon näher. Und später wurden sie aufgefordert, einander zu erzählen, wann sie das letzte Mal geweint hatten, und gestanden sich, was die eine Sache sei, die sie gern von einem Wahrsager wüssten.

Nachdem die letzte der 36 Fragen beantwortet war, folgte der wichtigste Teil des Experiments – vier Minuten schweigender Augenkontakt. Laut Aron der finale Eisbrecher und der Moment, in dem zwei Menschen tiefe Sympathien füreinander entwickeln. Nachdem sich beide verletzlich gezeigt haben, baut sich in diesen vier Minuten eine starke emotionale Bindung auf. So entstand zwischen einander völlig Fremden in nur anderthalb Stunden eine große Nähe. Übrigens nahmen alle Paare allerspätestens nach dem vierminütigen Blickkontakt auch körperlich Kontakt miteinander auf.

 

Arthur Aron hat dieses Experiment noch viele Male wiederholt, und es wurde weltweit an zahlreichen Unis nachgestellt. Das Ergebnis war immer das gleiche.

2016 wiederholte Amnesty International nur den Teil mit den vier Minuten Augenkontakt, um auszuprobieren, wie Vorurteile zwischen Flüchtlingen und Europäern abgebaut werden können. Die Organisatoren versammelten in einer Berliner Fabrikhalle rund ein Dutzend Menschen unterschiedlichster Altersklassen und Ethnien. Die Mädchen, Frauen, Jungs und Männer stammten aus Deutschland, Belgien, Polen, Großbritannien, Somalia und dem Bürgerkriegsland Syrien.

 

Es war ein eindrucksvoller und inspirierender Tag, und es entstand ein sehr berührender Film, der mich mehrfach zu Tränen gerührt hat. Du kannst ihn auf Youtube unter dem Titel »Look Beyond Borders – 4 Minutes« sehen: http://bit.ly/1qGFMfF

 

Falls du es auch mal ausprobieren willst: Hier sind die Fragen: www.patricklynen.net/36fragen

 

Auszug aus meinem aktuellen Buch "Gemeinsam bist du sehr" -  erhältlich z.B. bei Amazon: https://amzn.to/2Sl3LUE

 

 

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